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In den Beständen des Nenderother Pfarrarchivs finden sich 4 Bände mit Kirchenbüchern, die von der ehemaligen reformierten Kirchengemeinde Mengerskirchen stammen. Auf den ersten Blick mag der Ort ihrer Aufbewahrung merkwürdig erscheinen. Ein Blick zurück in die Kirchengeschichte des Fleckens am Knoten erklärt jedoch schnell die Situation:
Gemeinsam mit den Kirchspielen der Herrschaft Beilstein war um 1535 auch in dem Mengerskirchener Sprengel die Reformation durchgeführt worden. Nach den Wirren der Reformationszeit und dem anschließenden Interim, den zunächst gescheiterten Bestrebungen zur Rekatholisierung der beilsteinischen Dörfer, war es auch in Mengerskirchen 1580 zu einem weiteren Glaubenswechsel hin zur Lehre Kalvins gekommen.
Vier Jahrzehnte später leitete die politische Teilung der Herrschaft Beilstein den erneuten Religionswechsel ein. Im Jahr 1620 war Mengerskirchen mit seinem Filialort Winkels an Johann Ludwig von Nassau-Hadamar gefallen. 1628 folgten durch den sogenannten "Probbacher Auswechsel" die Dörfer Dillhausen und Probbach. 1629 trat der Hadamarer Landesherr Johann Ludwig zum Katholizismus über. Schon kurze Zeit später, im Sommer 1630, wurde die Rekatholisierung des gesamten Mengerskircher Sprengels vollzogen.
Nach dem Aussterben der Nassau-Hadamarer Linie im Jahr 1711 fiel Mengerskirchen an Nassau-Dillenburg. Im Zusammenhang damit kam es wenige Jahre später zur Begründung einer reformierten Gemeinde Mengerskirchen, die über einen Zeitraum von 100 Jahren bestand.
Mit der Auflösung des weit ausgedehnten Sprengels im Jahr 1816 wurden die evangelischen Gemeindeglieder Mengerskirchens und Winkels von der Pfarrei Nenderoth aufgenommen. Damit einhergehend kamen auch jene reformierten Kirchenbücher in den Archivbestand der Nenderother Pfarrgemeinde.
In einem gemeinsamen Band sind die Geburten von 1716 bis 1795, die Eheschließungen von 1731 bis 1795 und die Sterbefälle vom Jahr 1768 bis 1795 verzeichnet. Die drei weiteren Bände beinhalten jeweils die Geburten, Eheschließungen und Sterbeeinträge von 1796 bis 1816.
Die Transkription wurde im Jahr 2007 begonnen. Fehlende oder unleserliche Stellen sind (....) dargestellt. Die Texte sind in der damaligen Schreibweise unverändert wiedergegeben. Zusätzliche Randbemerkungen späterer Pfarrer oder Benutzer wurden weggelassen.
Der nachstehende Text zur reformierten Pfarrei Mengerskirchen, sowie eine Aufstellung der Pfarrer sind der "Mengerskircher Chronik" von Leonhard Hörpel entnommen.
Die reformierte Pfarrei Mengerskirchen verdankt ihre Entstehung dem Fürsten Christian von Dillenburg, der nach der Teilung Hadamars häufig mit größerem Gefolge im Flecken weilte und auch einen Stab von reformierten Beamten in das rein katholische Gebiet verpflanzte. Den religiösen Bedürfnissen dieser Minderheit wurde anfänglich in der Weise genügt, daß der Hofprediger bei Anwesenheit des Fürsten Gottesdienst in einem Schloßsaal hielt, für den die Überlieferung die Bezeichnung "evangelische Kirche" bewahrt hat. Das Taufregister der zweiten reformierten Gemeinde Mengerskirchen beginnt zwar schon mit dem Jahre 1716, doch ist nach der Hadamarer Hauschronik erst von 1721 ab ständig und regelmäßig evangelischer Gottesdienst im Schloß gehalten worden. Damit im Zusammenhang steht auch die Errichtung einer reformierten Schule zu Mengerskirchen. Sie ist wahrscheinlich gleichzeitig ins Leben getreten und konnte 1767 eine zweite reformierte Konfessionsschule in Probbach abzweigen.
Der Mengerskircher Sprengel wies einen beträchtlichen Umfang auf. Im Gegensatz zu ihm stand die Seelenzahl, die 1750 nur ein halbes Hundert betrug und das Consistorium zu dem Vorschlag veranlaßte, die beiden reformierten Pfarreien Mengerskirchen und Westernohe zu kombinieren. Der Plan scheiterte jedoch an dem Widerspruch des Prinzen von Oranien, der seinen Glaubensgenossen in Mengerskirchen zahlreiche Beweise fürstlicher Huld gab. So ließ er die 1762 aufgestellte Orgel 1768 durch ein Positiv (Harmonium) ersetzen und zwei Jahre später nicht nur alle Stühle erneuern, sondern auch 19 Kirchenbänke beschaffen. Als Mengerskirchen 1775 wieder Amtssitz wurde, mußte die seit 1762 im Schloß untergebrachte reformierte Schule verlegt werden. Der Betsaal blieb. 1777 schaffte die reformierte Gemeinde eine kleine Glocke an. Der Fürst steuerte 100 Gulden bei und gestattete auch die Aufhängung im großen Schloßturm. Sie rief seit 1778 die Gläubigen zum Gebet, zersprang jedoch 1801.
Unter bergischer Verwaltung (1806-13) wurde der 1741 gescheiterte Plan einer Sprengelerweiterung durchgeführt. Die Franzosen brauchten das Pfarrhaus zu Rennerod für die Unterbringung einer Gensdarmeriebrigade und vereinigten daher 1810 die beiden reformierten Gemeinden Rennerod und Mengerskirchen. Pfarrer Preußer von Rennerod wurde nach Mengerskirchen versetzt, das nun bis zum Sturz der französischen Herrschaft Pfarrsitz blieb. 1814 zog Preußer wieder nach Rennerod zurück. Die beiden Gemeinden zählten in diesem Jahre 297 Seelen. Es erscheint unter diesen Umständen verständlich, daß der Herzog von Nassau dem Antrag der Landesregierung auf Einziehung der Zwerggemeinden stattgab und am 21. Juni 1816 die Aufhebung der vereinigten reformierten Pfarreien Mengerskirchen und Rennerod verfügte. Gleichzeitig verloren die reformierten Minderheiten ihre Schulen in Mengerskirchen, Probbach und Langendernbach.